Hack Darmstadt

Hacken für eine bessere Stadt

Hack Darmstadt

Am 9. Juni fand in Darmstadt der erste Workshop der neu gegründeten „Hack Darmstadt“-Community statt. Ihr Ziel ist es, mithilfe günstiger und schnell einsetzbarer Soft- und Hardware Technologielösungen zu entwickeln, die Antworten auf die Herausforderungen urbaner Regionen bieten. Auf Basis der technischen Infrastruktur und Philosophie des „The Things Network“ erarbeiten die Teilnehmer beispielsweise Ansätze zur Messung des nächtlichen Geräuschpegels oder der Luftverschmutzung. Die nützliche Seite des Internet of Things (IoT) steht also ganz im Fokus. Yatta war bei der Organisation und beim ersten erfolgreichen Hack-Darmstadt-Event dabei.

 

Hinter The Things Network (TTN) steht so etwas wie eine Grassroots-Bewegung der globalen IoT-Szene. In ihrem Manifest, frei zugänglich auf GitHub, ist zu lesen:

„Everything that carries power will be connected to Internet eventually. Controlling the network that makes this possible means controlling the world. We believe that this power should not be restricted to a few people, companies or nations. Instead this should be distributed over as many people as possible without the possibility to be taken away by anyone. We therefore founded "The Things Network".“

Mit anderen Worten: Wem das Netzwerk gehört, der hat die Macht. Und damit sich die Kontrolle über Technologien und Daten nicht auf wenige Organisationen konzentriert, verfolgt die The Things Network Foundation das Ziel, ein dezentrales, urbanes Open-Source-Datennetzwerk aufzubauen – und zwar mithilfe von Crowdsourcing: Vorangetrieben wird es von der mitwirkenden Community der jeweiligen Stadt.

Statt WiFi oder LTE kommt eine Drahtlostechnologie namens Low Power Radio Frequency, kurz: LoRaWAN, zum Einsatz. Neben seinem geringen Energiebedarf hat dieses Protokoll den Vorzug, dass sich Geräte und Sensoren kostengünstig und unabhängig von WiFi-Codes und Mobilfunkverträgen mit dem Internet verbinden lassen. Unter günstigen Bedingungen sind bereits Reichweiten von über 40 km gemessen worden. Für kürzere Reichweiten kommt beim TTN Bluetooth 4.2 zum Einsatz.

Amsterdam,  Honolulu, Darmstadt

Alles begann 2015 in Amsterdam: Binnen sechs Wochen gelang es der dortigen IoT-Community, ein städteweites Datennetzwerk nach dem TTN-Ansatz aufzubauen. Mittlerweile umspannt die TTN-Community den gesamten Globus von Hawaii über Teheran bis nach Neuseeland. Auch in Frankfurt gibt es bereits eine kleine Ortsgruppe – in Darmstadt allerdings noch nicht. Höchste Zeit also, eine entsprechende Community zu etablieren!

Besonders viele Gateways befinden sich in Zürich. Kein Zufall also, dass dort im Februar 2017 unter dem Motto „Make Zurich“ der Hackathon stattfand, der „Hack Darmstadt“ bei der Konzeption Pate stand. Auch ein selbstgebautes Gateway (nachmachen empfohlen!) stellten die Macher von Hack Zurich dem Organisationsteam von Hack Darmstadt freundlicherweise bereit.

Darüber hinaus kamen in Darmstadt LoPy-basierte Nodes zum Einsatz, an Programmiersprachen neben Python auch Java.

Leuchtende LED,  leuchtende Augen

Nach einer kurzen Einführung durch Workshopleiter Matthias Zimmermann (BSI Systems Integration AG) in das TTN, die LoRaWAN-Technologie und das Internet-of-Things-Protokoll MQTT durften die Hack-Darmstadt-Teilnehmer bereits selbst Hand anlegen. Doch aller Anfang ist schwer – zumindest, wenn man als Softwareentwickler erst einmal die Hardware zusammenschrauben muss, bevor man sie überhaupt programmieren kann. Zumindest war das Gateway schon einsatzbereit. Die Nodes stellten sich allerdings für den einen oder anderen Teilnehmer als erste Einstiegsbarriere heraus. Doch nach etwa einer halben Stunde war alles verdrahtet und zusammengeschraubt, so dass sich eine Verbindung zum TTN-Backend aufbauen ließ und die ersten LEDs aufblinkten. Jedes sichtbare Erfolgserlebnis löste im Raum regelrechte Jubelrufe aus, und die Motivation der Teilnehmer stieg von Challenge zu Challenge. Höhepunkt des Workshops waren erste Experimente mit Helligkeits- und Lautstärkesensoren (s. nachfolgendes Video), um das Umgebungslicht und den Echtzeitgeräuschpegel zu messen – erste wichtige Schritte hin zu einer innerstädtischen Erfassung relevanter Daten. Ihre Fortschritte haben die Teilnehmer auf Twitter ausführlich dokumentiert. Alle Demos sind über GitHub frei zugänglich.

 

Nächste Schritte

Am Ende des Tages diskutierten die Workshop-Teilnehmer über mögliche nächste Schritte: potentielle Gateway-Standorte in Darmstadt und Einsatzszenarien der Nodes wie etwa Feinstaub-, Temperatur- und Lautstärkemessung an verschiedenen Stellen innerhalb der Stadt.

Trotz der überwältigenden Resonanz online und der Unterstützung mehrerer Firmen steckt die (Offline-)Community noch in den Kinderschuhen und freut sich über Verstärkung. Ein nächstes Hacking-Event wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte stattfinden. Bei ausreichend Anmeldungen sogar ein zweitägiger Hackathon. Es lohnt sich also, regelmäßig auf http://hackdarmstadt.de/ vorbeizuschauen.